Die drei Phasen der inneren Stressampel
Stellen wir uns mal vor, unser inneres Stresssystem wäre wie eine Ampel in die Farben Grün, Gelb und Rot eingeteilt. Vermutlich kennen wir dann alle drei Phasen, fühlen uns aber nicht in allen wohl. Die Auslöser für den Zeitpunkt und das Ausmaß unseres Betretens dieser Phasen sind individuell ziemlich unterschiedlich: Was den einen Menschen kalt lässt, bringt einen anderen komplett durcheinander. Hinzu kommt: Unser Nervensystem verfügt über eine große Bandbreite, aufgenommene Reize zu verarbeiten. Was uns jedoch allen gemeinsam ist, ist besagtes Ampelsystem, in das unser Stressempfinden zu unterteilen ist.
Entspannt, gelassen, souverän: Im Grünen läuft es einfach
Im grünen Bereich sind wir gelassen, fühlen uns wohl, können auf all unser Wissen und unsere Erfahrungen ebenso zugreifen wie auf unsere kreativen und strategischen Fähigkeiten. Manchmal nehmen wir unseren Job und seine Aufgaben nahezu als „easypeasy“ wahr. Andere Male haben wir heftig viele Aufgaben auf dem Tisch, müssen den Tagesablauf gut planen und ebenso gut durchhalten. Es wird also ein bisschen stressig und hektisch, bleibt aber machbar. Man spricht in diesem Fall von „Eustress“, auch „positiver Stress“ genannt. Wir fühlen uns dabei wach und präsent und können unsere Aufgaben zügig und gut erledigen. Wir behalten trotz langer To Do-Liste den Überblick und fühlen uns dabei wach, angeregt und aktiv. Mit Mitmenschen kommunizieren wir auf Augenhöhe und gefühlt kann uns niemand aus der Fassung bringen. Es läuft also.
Der Stress nimmt zu, die Gelassenheit weicht: Die Ampel zeigt Gelb
Und dann gibt’s diese Tage, an denen dauernd was dazwischenkommt. Tage, an denen gefühlt alle irgendwie spinnen und schlecht drauf sind. Sie vergreifen sich im Ton, jeder ist der oder die Wichtigste und fühlt sich im Recht, bevorzugt behandelt zu werden. Der Druck steigt. Und wir spüren das: Schon kippt die bisher gute Stimmung, wir werden hektischer, kritischer, gereizter oder sogar richtig sauer. Uns unterlaufen erste Fehler, die den Stress weiter anheizen. Der Tagesplan lässt sich nicht mehr umsetzen, das stresst zusätzlich – der „Distress“ hat uns im Griff. Er kann uns hemmen oder sogar blockieren, uns ängstlich, gereizt und erschöpft werden lassen. Unsere Handlungsoptionen sind nun deutlich eingeschränkter, wir fühlen uns durcheinander, werden aggressiver im Umgang mit anderen. Mitten in dieser gelben Phase unserer Stressampel sehen wir nur mehr zwei Auswege: entweder den Kampf mit dem Gegenüber oder die Flucht vor ihm bzw. der Situation. Beides ist neurophysiologisch nachvollziehbar: Gefühlt vernimmt unser System immer noch den Schrei des Säbelzahntigers und will ihm entweder die Keule über den Schädel ziehen oder veranlasst uns zum Rückzug in die nächste Höhle. Schluss mit lustig.
Und plötzlich fühlt es sich an wie ohnmächtig oder ausgeknockt
Wenn jetzt noch irgendjemand oder irgendetwas es (geplant oder zufällig) schafft, unseren ganz persönlichen Trigger zu bedienen und so den inneren Alarmknopf zum Schrillen bringt, dann ist’s ganz vorbei mit uns: Im roten Bereich geht gar nichts mehr. Wir fühlen uns wie eingefroren, einer Ohnmacht nahe, ausgeknockt, handlungsunfähig, schamhaft, verzweifelt. Aus die Maus. Unsere Resilienz, also unsere psychische Widerstandskraft, liegt am Boden. Die Amygdala (auch Mandelkerne genannt und im Gefühlszentrum unseres Gehirns gelegen) feuern volle Pulle und veranlassen den Hypothalamus zur umgehenden und anhaltenden Ausschüttung unserer Stresshormone.

Kann da schnell noch irgendetwas helfen?
Das mit dem „schnell noch irgendwas“ klappt leider nicht im Handumdrehen – unserer Ampelanlage können wir nicht einfach den Stecker ziehen.
Ich empfehle aus langjähriger Erfahrung zwei erprobte Wege zum besseren Umgang mit der inneren Stressampel: Stressmanagement (Stärkung der Resilienz) und Stresscoaching (Introvision Coaching). Stressmanagement setzt an der Vergrößerung des grünen Bereichs an. Das kann über mehrere Wege funktionieren, die wir im Coaching individuell und damit in der Umsetzung maßgeschneidert betrachten, darunter Übungen aus dem Qigong und der Traumasensitiven Achtsamkeit sowie Atemtechniken, die zu verlässlichen Begleitern werden können. Auch die Entwicklung neuer oder Modifikation früherer Routinen der Selbstfürsorge können viel bewirken. Und natürlich gibt’s auch großartige Techniken und Tools für eine entspanntere Selbstorganisation.
Im Stresscoaching fokussieren wir über Introvision zunächst den (manchmal auch die) individuellen Auslöser des jeweiligen Distress-Stressors. Anschließend können wir ihn vom inneren Alarmsystem entkoppeln und den Alarm somit ausschalten. So kann im Außen der „rote Knopf“ zukünftig noch so oft betätigt werden – wenn kein Alarm mehr zu schrillen beginnt, bleibt auch das Stressempfinden aus.
